Was sind Industrieminuten – und warum sind sie in der Personalabrechnung wichtig?
Alle Personaler wissen: Die monatliche Lohn- und Gehaltsabrechnung muss pünktlich und absolut fehlerfrei sein. Nichts untergräbt das Vertrauen von Mitarbeitenden schneller als eine fehlerhafte Abrechnung. Eine der häufigsten Fehlerquellen liegt in der Umrechnung der sogenannten Industrieminute.
Georg Schiebl

Wir denken in Stunden zu 60 Minuten, aber Ihre Abrechnungssysteme rechnen anders. Dieser Artikel erklärt, was Industrieminuten sind und wie die manuelle Umrechnung zwischen diesen beiden Systemen zu einer der größten Fehlerquellen und Effizienzbremsen in Ihrer HR-Abteilung wird.
Key Takeaways für Personalverantwortliche
Die Kernpunkte zu Industrieminuten im Überblick:
- Definition: Industrieminuten (oder präziser: Dezimalstunden) sind die kaufmännische Darstellung von Zeit. Eine Stunde wird nicht in 60 Minuten, sondern in 100 Einheiten geteilt (z. B. 30 Minuten = 0,5 Stunden).
- Das Kernproblem: Mitarbeitende erfassen ihre Zeit in „Echtzeit“ (HH:MM), während Lohnabrechnungssysteme (wie SAP) zwingend „Dezimalzeit“ (z. B. 8,75 Stunden) für die Berechnung benötigen.
- Das Risiko: Die manuelle Umrechnung von Echtzeit in Dezimalzeit – oft in Excel-Listen – ist extrem fehleranfällig und eine Hauptursache für Lohnfehler.
- Die Lösung: Moderne, digitale Zeiterfassungssysteme eliminieren dieses Risiko vollständig, indem sie diese Umrechnung automatisiert, fehlerfrei und unsichtbar im Hintergrund durchführen.
Was genau sind „Industrieminuten“?
Der Begriff „Industrieminute“ hat sich fest etabliert, ist aber oft missverständlich. Korrekter sprechen wir von der „Industriestunde“ oder „Dezimalstunde“. Der Unterschied liegt in der Basis der Berechnung:
- Echtzeit (Sexagesimalsystem): Das uns vertraute System. Eine Stunde hat 60 Minuten.
- Industriezeit (Dezimalsystem): Die kaufmännische Darstellung. Eine Stunde wird in 100 Einheiten geteilt.
Beispiel: 8 Stunden und 45 Minuten in Echtzeit = 8,75 in Industriezeit
Warum ist die Industriezeit in der Personalabrechnung wichtig?
In der Personalabrechnung ist die Industriezeit (Dezimalstunde) die universelle Sprache aller Lohn- und Gehaltsabrechnungsprogramme, ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning) und Controlling-Tools.
Jedes Mal, wenn ein System ein Gehalt auf Stundenbasis ermittelt, greift es auf diese Formel zurück:
Bruttolohn = Stundenlohn × Dezimalstunden
Software kann einen Euro-Betrag nicht direkt mit einer Zeitangabe wie „08:45“ verrechnen. Die Umwandlung in einen Dezimalwert (hier 8,75) ist zwingend erforderlich. Ohne diesen Zwischenschritt funktioniert keine automatisierte Lohnabrechnung.
Die unumgängliche Brücke zur Entgeltabrechnung
Die Umrechnung ist nötig für die Berechnung des regulären Stundenlohns. Das gilt aber auch für alle komplexeren Fälle:
- Zuschläge: Nacht-, Sonn- oder Feiertagszuschläge werden auf Basis von Dezimalstunden berechnet.
- Überstunden: Die Ermittlung und Vergütung von Mehrarbeit erfordert eine exakte Umrechnung.
- Abwesenheiten: Auch die Verrechnung von Fehlzeiten oder Urlaubstagen im Stundenlohn basiert auf Dezimalwerten.
Ein Fehler in der Umrechnung wird zu einem Lohnfehler.
Finanzielle Risiken durch manuelle Fehler
Die manuelle Umrechnung ist die häufigste Fehlerquelle. Oft wird intuitiv angenommen, dass 20 Minuten gleich 0,20 Stunden entsprechen. Das ist falsch.
Die korrekte Berechnung lautet:
20 Minuten ÷ 60 = 0,333… Stunden
Die Differenz zwischen der falschen Annahme (0,20) und der Realität (0,33) beträgt etwa 0,133 Stunden. Das wirkt auf den ersten Blick wenig, summiert sich aber finanziell.
Bei einem angenommenen Stundenlohn von 25 € ergibt sich folgende Rechnung für den Fehler pro Tag:
0,133 Stunden × 25 € ≈ 3,33 €
Dieser Betrag fehlt entweder dem Mitarbeitenden oder wird vom Unternehmen zu viel gezahlt. Bei 200 Mitarbeitenden potenziert sich dieser kleine Fehler schnell auf vierstellige Beträge im Monat.
Fehler im Lohn schädigen Vertrauen
Die finanziellen Folgen sind nur die eine Seite. Die andere ist weit schwerwiegender:
Eine pünktliche und korrekte Lohnabrechnung ist der fundamentalste Vertrauensfaktor im Arbeitsverhältnis.
Wiederkehrende Fehler signalisieren mangelnde Wertschätzung und Unzuverlässigkeit. Sie sind ein direkter und vermeidbarer Treiber für die sogenannte „innere Kündigung“ bzw. „Quiet Quitting“.
Der Gallup Engagement Index 2024 zeigte, dass nur 9 % der Mitarbeitenden in Deutschland eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber haben. In diesem Klima geringer Bindung kann sich kein Unternehmen leisten, durch vermeidbare Berechnungsfehler auch noch das grundlegendste Vertrauen in eine verlässliche Bezahlung zu verspielen.
Umrechnung von Industrieminuten in Minuten und umgekehrt
Um die Problematik in der Praxis zu verdeutlichen und HR-Teams bei der manuellen Arbeit zu unterstützen, führen wir hier die zentralen Rechenwege auf.
1. Von Echtzeit (HH:MM) zu Industriezeit (Dezimal)
Das ist der Standardweg für die Vorbereitung der Lohnabrechnung.
- Formel: Dezimalstunden = Minuten / 60
Ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin arbeitet von 08:00 bis 16:45 Uhr und macht 30 Minuten Pause. Das ergibt eine Netto-Arbeitszeit von 8 Stunden und 15 Minuten.
- Rechnung: 15 Minuten / 60 = 0,25
- Ergebnis: 8,25 Stunden
Schwieriger wird es bei krummen Werten, wie einer Pause von 20 Minuten.
- Rechnung: 20 Minuten / 60 = 0,333 …
Hier beginnen oft Rundungsprobleme in Excel, die zu kumulierten Fehlern führen.
2. Von Industriezeit (Dezimal) zu Echtzeit (HH:MM)
Diese Umrechnung brauchen wir, wenn Reports aus dem Lohnsystem für Mitarbeitende oder Führungskräfte verständlich aufbereitet werden sollen.
- Formel: Minuten = Dezimalanteil × 60
Ein Report weist beispielsweise 7,40 Arbeitsstunden aus. Viele lesen das fälschlicherweise als 7 Stunden 40 Minuten.
- Rechnung: 0,40 × 60 = 24 Minuten.
Die tatsächliche Arbeitszeit betrug also 7 Stunden und 24 Minuten.
Umrechnungstabelle gängiger Zeitwerte
Die Tabellenübersicht hilft bei der schnellen Orientierung, wenn manuelle Zeitdaten verarbeitet werden müssen.
| Minuten (Echtzeit) | Industriezeit (Dezimal) | Berechnung |
|---|---|---|
| 1 Minute | 0,02 Stunden | 1 / 60 |
| 5 Minuten | 0,08 Stunden | 5 / 60 |
| 10 Minuten | 0,17 Stunden | 10 / 60 |
| 15 Minuten | 0,25 Stunden | 15 / 60 |
| 20 Minuten | 0,33 Stunden | 20 / 60 |
| 30 Minuten | 0,50 Stunden | 30 / 60 |
| 40 Minuten | 0,67 Stunden | 40 / 60 |
| 45 Minuten | 0,75 Stunden | 45 / 60 |
| 50 Minuten | 0,83 Stunden | 50 / 60 |
| 60 Minuten | 1,00 Stunden | 60 / 60 |
Zeiterfassung in Industrieminuten mit moderner HR-Software
Die strategische Herausforderung für HR-Abteilungen liegt auf der Hand. Laut dem HR Radar 2025 der TH Köln gehört „Prozessoptimierung und -automatisierung“ für 64,9 % der befragten HR-Experten zu den Top-3-Themen. Gleichzeitig sieht sich HR laut der DGFP-Studie „State of HR 2025“ auch selbst in der Rolle des „Business Partners“ und „Change Agents“.
Die manuelle Handhabung von Industrieminuten ist ein Paradebeispiel für eine administrative Tätigkeit, die Ihre Abteilung an der Wahrnehmung ihrer strategischen Rolle hindert.
Praxisbeispiel: Der „Zero-Touch“-Prozess mit Zalaris
Moderne, integrierte HR-Lösungen wie Zalaris PeopleHub lösen diesen Konflikt an der Wurzel. Sie beenden den Übersetzungs-Krieg zwischen Echtzeit und Industriezeit durch einen automatisierten „Zero-Touch“-Prozess.
So funktioniert der Prozess:
- Erfassung (Frontend): Mitarbeitende erfassen ihre Zeit wie gewohnt in Echtzeit (HH:MM). Das kann über die Zalaris Mobile App, ein Web-Portal oder ein physisches Terminal geschehen. Sie stempeln beispielsweise „Gekommen: 08:15“ und „Gegangen: 16:45“.
- Verarbeitung (Backend): Die Zalaris Time & Attendance-Lösung verarbeitet diese Zeitstempel.Das System berechnet die Dauer (8h 30m) und wendet parallel automatisch komplexe Regeln an (gesetzliche Pausen, Schichtmodelle, Zuschlagslogiken).
- Die Übersetzung: Im selben Moment, in dem das System die Dauer von 8h 30m ermittelt, speichert es den Wert parallel und fehlerfrei als 8,50 Stunden (Dezimalzeit).
- Übergabe (Payroll): Diese validierten 8,50 Stunden fließen ohne Medienbruch (ohne Excel-Export oder manuelles Abtippen) direkt in das Lohnabrechnungssystem (z. B. Zalaris Payroll oder Ihr bestehendes SAP-System).
Das Ergebnis ist eine revisionssichere, fehlerfreie und hocheffiziente Zeiterfassung. Ihre HR-Abteilung muss nie wieder eine Minute umrechnen. Die für strategische Aufgaben freigesetzten Ressourcen und das gewonnene Vertrauen sind direkte Gewinner dieser Digitalisierung.

Fazit – Industrieminuten verstehen und effizient nutzen
Die Industrieminute ist ein Indikator für die digitale Reife Ihrer Personalprozesse. Fordern Sie Ihre Personalabteilung nicht einfach nur auf, strategischer zu werden, geben Sie ihr auch Zeit und Raum dafür.
Mit einer integrierten Lösung wie Zalaris PeopleHub lösen Sie das Problem der Industrieminuten endgültig. Sie automatisieren die gesamte Kette von der Zeiterfassung bis zur Lohnabrechnung und schaffen so schnelle Prozesse mit garantiert fehlerfreien Ergebnissen.
Wie viel Zeit verliert Ihre HR-Abteilung durch manuelle Zeitumrechnung? Lassen Sie uns gemeinsam berechnen, welches Effizienzpotenzial in Ihrer Personalabrechnung steckt.
Ihre HR-Abteilung hat Besseres zu tun, als Minuten umzurechnen. Lassen Sie uns im Gespräch gemeinsam herausfinden, wie viel Arbeitszeit Sie ab sofort einsparen können.
FAQ

Georg Schiebl
Author
Georg Schiebl bringt mehr als 13 Jahre Erfahrung im SAP Consulting als auch im SAP Sales, insbesondere für HXM und Talent Management Lösungen, mit. Als Leitung für Vertrieb und Marketing bei Zalaris berät er Unternehmen im Bereich Digitalisierung und Transformation von HR-Prozessen und ist zudem für unsere Großkunden verantwortlich.

