Viele Unternehmen führen Zielvereinbarungs- und Beurteilungsgespräche nur einmal im Jahr. Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme. Führungskräfte bewerten aus der Erinnerung, die Ziele für das kommende Jahr bleiben oft grob, und ob sie zu den Unternehmenszielen passen, ist häufig unklar. Für eine kontinuierliche Personalentwicklung reicht dieser Rhythmus nicht. SAP SuccessFactors Performance & Goals verlagert Zielmanagement und Feedback deshalb in einen laufenden Prozess, der im System dokumentiert ist.
Was ist SAP SuccessFactors Performance & Goals?
SAP SuccessFactors Performance & Goals ist das Modul für Ziel- und Leistungsmanagement in der HCM-Suite SAP SuccessFactors. Es deckt den ganzen Zyklus ab, von der Zielvereinbarung über unterjähriges Feedback bis zur formalen Leistungsbeurteilung und ihrer Kalibrierung. Laut der Feature Scope Description von SAP gehören diese Bausteine dazu:
- Goal Management: Ziele anlegen, an Unternehmensziele ausrichten und nachverfolgen
- Performance Management: Beurteilungsformulare mit konfigurierbaren Workflows und Bewertungsskalen
- Continuous Performance Management: laufend erfasste Aktivitäten, Erfolge und Rückmeldungen, die mit den Zielen verknüpft sind
- 360-Grad-Beurteilungen (Multirater Assessments)
- Kalibrierung von Leistungsbewertungen
- Objectives and Key Results (OKRs)
Welche Funktionen im Einzelfall zur Verfügung stehen, hängt vom Lizenzvertrag ab.
Zielvereinbarungen mit Unternehmenszielen verknüpfen
Im Goal Management legen Führungskräfte und Mitarbeitende individuelle Ziele gemeinsam fest. Diese Ziele lassen sich mit übergeordneten Zielen verknüpfen oder aus ihnen ableiten. So wird sichtbar, was eine einzelne Person oder ein Team zu den Unternehmenszielen beiträgt. Neben individuellen Zielen unterstützt das Modul auch Teamziele, die mehrere Personen gemeinsam verfolgen.
Beim Formulieren helfen Vorlagen und eine Zielbibliothek mit mehr als 500 vordefinierten, rollenbezogenen Zielen. Das spart vor allem Führungskräften mit vielen Vereinbarungen Zeit und sorgt für vergleichbare Formulierungen. Trotzdem sollten die Ziele an die jeweilige Rolle und Situation angepasst werden. Eine übernommene Standardformulierung ersetzt kein Zielgespräch.
Kontinuierliches Feedback statt einmaliger Jahresrückschau
Mit Continuous Performance Management halten Mitarbeitende ihre Aktivitäten und Erfolge laufend fest und verknüpfen sie mit den vereinbarten Zielen. Führungskräfte sehen so jederzeit den aktuellen Stand und können regelmäßig Rückmeldung geben, statt erst am Jahresende zu bewerten. Beide Seiten können Feedback geben und auch selbst anfordern, zum Beispiel von Kolleginnen und Kollegen außerhalb der direkten Berichtslinie.
Aus diesem Austausch ergeben sich konkrete Ansatzpunkte für die Entwicklung. Stockt die Zielerreichung, können Führungskraft und Mitarbeitende die Ursachen früh besprechen und gezielt Weiterbildungen oder Coachings vereinbaren. Das Weiterbildungsbudget fließt dann eher in Maßnahmen, für die ein Bedarf erkennbar ist. Auch Talente, die ihre Ziele regelmäßig übertreffen, fallen früher auf.
360-Grad-Beurteilung und Kalibrierung für fundierte Bewertungen
Wenn nur die direkte Führungskraft beurteilt, zeigt das Ergebnis die Leistung oft nur in Ausschnitten. Bei der 360-Grad-Beurteilung geben mehrere Personen eine Einschätzung ab, etwa Kolleginnen und Kollegen, unterstellte Mitarbeitende oder externe Beteiligte. Der Ablauf ist konfigurierbar, und die Ergebnisse werden in Berichten zusammengeführt.
Die Kalibrierung setzt eine Ebene höher an. Führungskräfte und HR vergleichen die Bewertungen mehrerer Teams oder Bereiche, gleichen unterschiedliche Maßstäbe ab und passen Ergebnisse bei Bedarf an. So sinkt das Risiko, dass vergleichbare Leistungen je nach Führungskraft unterschiedlich bewertet werden.
Ziele, Aktivitäten, Feedback und Beurteilungen liegen im System. Daraus entsteht über das Jahr eine nachvollziehbare Grundlage für das Jahresgespräch, für die Leistungsbeurteilung und für Entscheidungen zur leistungsgerechten Vergütung.

KI-Funktionen und Mitbestimmung
SAP hat das Modul um KI-gestützte Funktionen erweitert. Laut Feature Scope Description gehören dazu Unterstützung beim Formulieren von Zielen, Schreibhilfen für Beurteilungen sowie KI-gestützte Auswertungen und Stimmungsanalysen in 360-Grad-Berichten. Einige dieser Funktionen setzen SAP AI Units voraus.
Unabhängig von der KI gilt für das ganze Modul: Ein System, das Leistung erfasst, ist nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mitbestimmungspflichtig. Unternehmen sollten den Betriebsrat deshalb früh einbinden und festlegen, welche Daten zu welchem Zweck ausgewertet werden.
Nutzen für Mitarbeitende, Führungskräfte und Unternehmen
Mitarbeitende sehen, woran ihre Leistung gemessen wird und wie ihre Ziele zum Unternehmenserfolg beitragen. Wer an der Zielvereinbarung beteiligt ist und regelmäßig Rückmeldung bekommt, kann Prioritäten besser setzen. Das kann Motivation und Bindung stärken.
Führungskräfte haben einen laufenden Überblick über Zielerreichung und Entwicklungsbedarf im Team. Ihre Gespräche können sie auf dokumentierte Beobachtungen stützen statt auf Erinnerungen.
HR und Unternehmensleitung bekommen eine einheitliche Datengrundlage für Personalentwicklung, Talentmanagement und Nachfolgeplanung. Voraussetzung ist, dass die Prozesse im System auch tatsächlich gelebt werden. Ein Tool ersetzt keine Feedbackkultur, aber es macht sie planbar und überprüfbar.
Fazit: Ziel- und Leistungsmanagement als laufender Prozess
SAP SuccessFactors Performance & Goals bündelt Zielvereinbarung, kontinuierliches Feedback, 360-Grad-Beurteilung und Kalibrierung in einem System. Ziele lassen sich an der Unternehmensstrategie ausrichten, Fortschritte sind unterjährig sichtbar, und Beurteilungen beruhen auf dokumentierten Informationen. Das Jahresgespräch ist dann nicht mehr der einzige Bewertungstermin, sondern der Abschluss eines laufenden Dialogs.

Elena Linke
Autorin
Elena bringt über acht Jahre Erfahrung im Bereich SAP SuccessFactors mit. Als Principal Consultant bei Zalaris ist sie auf die SAP SuccessFactors-Lösungen Compensation und Performance & Goals sowie das Zusammenspiel dieser Module spezialisiert. Sie berät unsere Kunden bei der Einführung dieser Module, entwickelt Implementierungsstrategien und überwacht den kompletten Prozess.



