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Payroll-Transformation zu Ihren Bedingungen: Warum früh handeln sich lohnt

Die meisten Payroll-Transformationen beginnen, wenn ein äußerer Anlass die Entscheidung erzwingt. Wer früher handelt, behält mehr Kontrolle über Zeitpunkt, Kosten, Prioritäten und Weg.

30. September 20267 min read
Karsten Reincke-Brandt
by Karsten Reincke-Brandt
Mitarbeiterin, die ihre Payroll-Transformation überdenkt

Solange die Lohnabrechnung reibungslos läuft, ist es schwer, den Business Case für eine Transformation zu begründen. Payroll ist geschäftskritisch. Eine Transformation erfordert Investitionen, die Aufmerksamkeit der Führungsebene und Veränderungen in der Organisation. Werden Mitarbeitende korrekt und pünktlich bezahlt, braucht es einen überzeugenden Grund, Systeme, Prozesse, Teams oder Dienstleister dahinter zu verändern.

Für die Führungskraft, die diese Transformation verantwortet, ist die Entscheidung auch eine Frage der Verantwortung. Sie müssen sicher sein, dass der Nutzen der Veränderung die Investition und den Aufwand rechtfertigt. Dass viele Unternehmen deshalb auf einen klaren geschäftlichen Auslöser warten, ist nachvollziehbar. Das Problem: Sobald dieser Auslöser eintritt, kann er beginnen, die Transformationsagenda für Sie zu setzen.

Der Wandel prägt Payroll bereits heute

Wer für Payroll verantwortlich ist, muss nicht weit schauen, um zu sehen, wie schnell sich Anforderungen ändern.

In Europa schafft die EU-Entgelttransparenzrichtlinie eine umfassende Veränderungsagenda. Neue Anforderungen an Entgelttransparenz, Entgeltgleichheit und Berichtspflichten wirken sich auf HR, Vergütung, Payroll-Daten und Technologie aus, insbesondere für Unternehmen, die in mehreren europäischen Märkten tätig sind. Die Umsetzungsfrist ist am 7. Juni 2026 abgelaufen. In Deutschland steht das nationale Umsetzungsgesetz noch aus: Unternehmen wissen, dass Änderungen kommen, aber noch nicht genau, wann und in welcher Form.

Auch die nationale Gesetzgebung bleibt in Bewegung. Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit dem 1. Januar 2026 bei 13,90 € und steigt zum 1. Januar 2027 auf 14,60 €. Mit der Aktivrente können Beschäftigte im Rentenalter seit Januar 2026 bis zu 2.000 € im Monat steuerfrei hinzuverdienen. Beides wirkt sich unmittelbar auf Abrechnung und Systemkonfiguration aus.

Dazu kommt die Technologie. Für SAP ERP HCM endet die reguläre Wartung Ende 2027, mit erweiterter Wartung gegen erhöhte Gebühr bis Ende 2030. Für Unternehmen mit SAP-Payroll ist das ein konkreter Zeitpunkt, bis zu dem die Weichen gestellt sein müssen.

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Es gibt nicht das eine Ziel der Payroll-Transformation 

Bei der Wahl des Delivery-Modells spielen auch die Mitarbeitenden eine zentrale Rolle. Ein Wechsel bedeutet nicht automatisch, dass geschätzte Payroll-Mitarbeitende das Unternehmen verlassen oder Stellen ins Ausland verlagert werden. Bei einer Auslagerung kann ein Betriebsübergang bestehende Arbeitsverhältnisse auf den Dienstleister übertragen (Deutschland: § 613a BGB, Österreich: § 3 AVRAG, Schweiz: Art. 333 OR), sodass Know-how und Kapazitäten vor Ort erhalten bleiben. Betriebsrat und Mitbestimmung sollten Sie dabei frühzeitig einbinden.

Payroll-Transformation sollte nicht mit einem Auslöser beginnen

Die Frage für Transformationsverantwortliche lautet nicht nur, ob Payroll heute funktioniert. Sondern: Ist die heutige Payroll-Umgebung diejenige, die Sie bewusst für das Unternehmen gestalten würden, das Sie werden wollen?

Lautet die Antwort Nein, macht Abwarten die Transformation nicht überflüssig. Es verändert nur die Bedingungen, unter denen sie stattfindet. Eine Compliance-Frist kann den Zeitpunkt vorgeben. Das Ende des Technologie-Lebenszyklus kann Ihre Optionen einschränken. Ein Kostenmandat kann kurzfristige Einsparungen priorisieren. Ein Fachkräftemangel kann aus langfristiger Kompetenzplanung ein akutes Ressourcenproblem machen. Wachstum, Restrukturierung oder Akquisition können verlangen, dass sich Payroll verändert, während das gesamte Unternehmen ohnehin einen tiefgreifenden Wandel durchläuft.

In jedem dieser Fälle lässt sich der Business Case womöglich leichter belegen, die Transformation selbst wird jedoch enger begrenzt.

Warum transformieren, bevor man muss?

Wird eine Transformation durch eine externe Frist oder eine dringende geschäftliche Anforderung getrieben, erbt das Programm diese Rahmenbedingungen. Zeitpläne werden komprimiert, Ressourcen müssen schnell mobilisiert werden, und die unmittelbare Anforderung beginnt, Umfang und Prioritäten zu bestimmen.

Das kann die Transformation auch teurer und schwieriger in der Umsetzung machen. Beschleunigte Programme erfordern womöglich zusätzliche Ressourcen, kurzfristige Workarounds und den Umgang mit konkurrierenden Prioritäten neben dem laufenden Payroll-Betrieb (BAU).

Ein früherer Start schafft andere Voraussetzungen. Es bleibt Zeit, die aktuelle Umgebung zu verstehen, den Business Case aufzubauen, Optionen zu bewerten und Veränderungen entlang der Bedürfnisse des Unternehmens zu takten. Mit mehr Kontrolle über Zeitpunkt und Umfang lässt sich eine Transformation zudem effizienter umsetzen, statt den Preis der Dringlichkeit zu zahlen.

Vor allem aber bietet eine proaktive Transformation die Chance, Payroll für die nächste Veränderung aufzustellen, nicht nur für die aktuelle.

Schneller auf Veränderungen reagieren

Die Anforderungen an Payroll werden sich weiterentwickeln. Einfachere Prozesse, weniger Fragmentierung und eine flexiblere Technologie- und Delivery-Umgebung erleichtern es, künftige Änderungen aufzunehmen.

Das Ziel ist nicht, bei jeder Veränderung eine neue Großtransformation zu starten. Sondern eine Payroll-Funktion zu schaffen, die schneller reagieren kann, wenn Veränderungen anstehen.

Risiken senken und Kontrolle verbessern

Komplexität erzeugt Risiko. Manuelle Prozesse, fragmentierte Systeme, unklare Verantwortlichkeiten und Abhängigkeiten zwischen Teams und Dienstleistern machen Payroll schwerer steuerbar und schwerer veränderbar.

Eine Transformation bietet die Chance, Prozesse zu vereinfachen, Kontrollen zu stärken, Datenflüsse zu verbessern und unnötige Abhängigkeiten abzubauen. Statt bei jeder neuen Anforderung weitere Prozesse und Workarounds hinzuzufügen, können Unternehmen mehr Kontrolle von Grund auf in die Payroll-Umgebung einbauen.

Resilienz für die Zukunft aufbauen

Eine resiliente Payroll-Funktion hängt nicht davon ab, dass alles bleibt, wie es heute ist. Sie verfügt über die Technologie, die Mitarbeitenden, die Expertise und das Delivery-Modell, um zu reagieren, wenn sich Anforderungen, Belegschaftsstrukturen oder Geschäftsprioritäten ändern.

Diese Resilienz kann aus stärkerer Automatisierung, mehr interner Kompetenz, spezialisierten Partnern, Application Management Services (AMS), selektivem Outsourcing oder Managed Payroll entstehen. Es geht nicht darum, alle Unternehmen zum selben Modell zu führen, sondern eine Payroll-Umgebung zu schaffen, die sich ohne unverhältnismäßige Kosten, Risiken oder Störungen anpassen kann.

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Gestalten Sie Ihre eigene Transformationsagenda

Wer proaktiv handelt, kann sich andere Fragen stellen, bevor ein externer Auslöser sie beantwortet: Was könnten wir vereinfachen? Wo könnten wir Kosten senken? Was sollten wir automatisieren? Welche Kompetenzen brauchen wir? Wie wollen wir Payroll betreiben?

Zusammen ergeben diese Fragen einen breiteren Business Case für die Transformation in vier Bereichen: Kosten, Prozesse + KI, Menschen + Kompetenzen und Operating-Modell.

Die tatsächlichen Kosten von Payroll gehen über internes Personal, Technologielizenzen und Dienstleistergebühren hinaus. Manuelle Verarbeitung, Korrekturen, Abstimmungen, doppelte Arbeit und der Aufwand für die Koordination fragmentierter Leistungserbringung binden Ressourcen. Vereinfachung kann diese Last senken und zugleich ein Kosten- und Kapazitätsmodell schaffen, das besser skaliert.

Eine Prozesstransformation eröffnet die Chance, neu zu überdenken, wie viel menschlicher Aufwand für Payroll überhaupt nötig ist. Automatisierung und KI können wiederkehrende Verarbeitung, Validierung, Kontrollen und das Ausnahmemanagement zunehmend unterstützen. Das gilt unabhängig davon, ob die Arbeit von einem internen Team oder manuell von einem externen Dienstleister erledigt wird.

Ebenso wichtig sind Kompetenzen. Unternehmen müssen möglicherweise interne Expertise ausbauen, auf spezialisierte Skills zugreifen, AMS einführen oder einen flexibleren Mix aus interner und externer Kompetenz schaffen. Der richtige Ansatz hängt davon ab, was das Unternehmen behalten möchte, wo es zusätzliche Unterstützung braucht und wie sich diese Anforderungen verändern können.

Schließlich bietet eine Transformation die Gelegenheit, das Operating-Modell selbst zu überdenken. Würden Sie Payroll für Ihr Unternehmen heute noch genauso aufsetzen?

Es gibt nicht das eine Ziel der Payroll-Transformation

Für manche Unternehmen ist die richtige Antwort eine modernisierte In-house-Payroll, unterstützt durch bessere Technologie, Automatisierung und AMS. Für andere kann ein Hybrid-Modell ausgewählte Kompetenzen intern halten und bestimmte Payroll- oder HR-Prozesse auslagern. Managed Payroll ist ein weiterer Weg für Unternehmen, die breitere Spezialistenkompetenz, Skalierbarkeit und operative Unterstützung suchen.

Bei der Wahl des Delivery-Modells spielen auch die Mitarbeitenden eine zentrale Rolle. Ein Wechsel bedeutet nicht automatisch, dass geschätzte Payroll-Mitarbeitende das Unternehmen verlassen oder Stellen ins Ausland verlagert werden. Bei einer Auslagerung kann ein Betriebsübergang bestehende Arbeitsverhältnisse auf den Dienstleister übertragen, sodass Know-how und Kapazitäten vor Ort erhalten bleiben. Betriebsrat und Mitbestimmung sollten Sie dabei frühzeitig einbinden.

Der Vorteil eines frühen Starts der Transformationsdiskussion: Es bleibt Zeit, diese Optionen sorgfältig abzuwägen. Der Ausgangspunkt muss kein vorab festgelegtes Technologie- oder Delivery-Modell sein. Es können die Ergebnisse sein, die das Unternehmen erreichen will, und das Payroll-Modell, das sie am besten liefert.

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Transformieren Sie zu Ihren Bedingungen

Niemand, der eine Transformation verantwortet, kann die nächste regulatorische Anforderung, technologische Entwicklung, Akquisition, Kostenvorgabe oder Kompetenzlücke vorhersagen. Beeinflussen lässt sich, wie gut Payroll darauf vorbereitet ist zu reagieren.

Das Warten auf einen Auslöser kann den unmittelbaren Business Case offensichtlicher machen. Es kann aber auch dazu führen, dass der Auslöser Zeitplan, Umfang und Prioritäten des Programms bestimmt. Früheres Handeln schafft Wahlmöglichkeiten. Es gibt Transformationsverantwortlichen Zeit, den Business Case aufzubauen, Optionen zu bewerten, Stakeholder mitzunehmen und bewusst zu entscheiden, was sich ändern soll und was bleibt. Es kann außerdem die Voraussetzungen für eine schnellere und kosteneffizientere Transformation schaffen, ohne den Druck einer von außen gesetzten Frist.

Vor allem eröffnet es die Chance, eine Payroll aufzubauen, die schneller auf Veränderungen reagiert, Risiken senkt, die Kontrolle verbessert und Resilienz für alles schafft, was als Nächstes kommt.

Lassen Sie nicht den Wandel Ihre Payroll-Agenda bestimmen. Transformieren Sie zu Ihren Bedingungen.

Karsten Reincke-Brandt

Karsten Reincke-Brandt

Author

Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Projektsteuerung, Beratung und Betreuung verschiedenster SAP HCM-Themen, hat Karsten Reincke-Brandt schon viele Unternehmen bei der Transformation ihrer HR-Prozesse begleitet. Bei Zalaris verantwortet er als Director Sales verschiedene vertriebliche Aktivitäten und kennt die Fragen, die sich Unternehmen vor und auch während der Zusammenarbeit mit einem HR-/IT-Dienstleister stellen.